ayurveda

Ayurveda ist die klassische indische Heilkunde und bedeutet „Wissen vom Leben“. Ausführlicher definiert es einer der ersten Autoren, Charaka, um ca.300-200 v.Chr.: „Ayurveda beschreibt, was wohltuend ist und was schädlich, was glück- und was schmerzbringend ist, was das Leben fördert und was es behindert und wie dies alles identifiziert wird.“

Bei Charaka finden wir in der Folge schon vielfältige Hinweise, wie das komplexe Gewebe der Zusammenhänge menschlichen Lebens erhalten und dementsprechend reguliert werden kann. Das bedeutet vor allem, wie Ungleichgewichte wieder ins Gleichgewicht gebracht werden können.

Seit diesen ersten Hinweisen Charakas wurde diese Heil- bzw. Lebenskunde ständig weiter entwickelt. Neben den Bereichen der Ernährung und der Körperpflege spielen auch die Mittel des Yoga eine bedeutsame Rolle ( Asana – Körperübungen, Pranayama – Atemübungen – und geistige Schulung – „Meditation“ als zusammenfassender Begriff). Der Ayurveda-Gelehrte Vaidya Nanal vergleicht Yoga neben Ayurveda als den zweiten Flügel eines Vogels: Beide sind mit ihren Mitteln nötig für den „Flug des Lebens“…  Das bedeutet für das Üben von Yoga unter anderem, dass auch wichtige Hinweise des Ayurveda mit einbezogen und bedacht werden sollten, z.B. der Umgang mit Hitze und Kälte, Stabilität, Bewegung, Schwere und Leichtigkeit…

Überhaupt stellt Ayurveda zusammen mit Yoga ein überaus differenziertes psychosomatisches Konzept dar, welches in seiner Grundkonzeption von vornherein den ganzen Menschen mit seiner Innen- und Außen- bzw. Sozialwelt begreift, .

Die folgenden Ausführungen über Ayurveda stützen sich v.a. auf Erläuterungen von Reinhard Bögle (2000, 2019) und Mitschriften von Seminaren bei Vd.Joshi, N.Bhatt).

Grundlegend ist im Ayurveda die Annahme von fünf Mahabhutas, nämlich den Prinzipien von Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Sie sind Ausdruck der Zusammenfassung von insgesamt 20 Gunas (Eigenschaften). So ist das Prinzip „Erde“ unter anderem als schwer, rauh, hart, träge, stabil, klar, grob und den Geruchssinn stimulierend zu verstehen.

Aus diesen fünf Mahabhutas werden drei Funktonssysteme abgeleitet (doshas – „leicht irritierbar“ ). Sie sind in der Praxis des Ayurveda von grundlegender Bedeutung.

Sattva, Rajas und Tamas stehen andererseits als Bezeichnung eines dreifachen Prozesses: Sattva „im Sinne von klarem Verständnis, Reflexion, Unterscheidungsvermögen“; Rajas meint spontane Ideen, Engagement, Wünsche und Bedürfnisse; Tamas ermöglicht Ruhe und Schlaf und bezieht sich auf gewohnte Routinen. (Bögle 2019, S.219)

Bei den Doshas ist es wichtig, nicht einfach nur von vata, pitta oder kapha zu sprechen, sondern die dahinter steckenden grundlegenden Eigenschaften (Gunas) näher zu betrachten.

Vata

Vata wird als das „machtvollste“ der drei Funktionssysteme verstanden. Es ist „der König von Krankheit“, wie der Arzt Susruta schon vor ca.1800 Jahren feststellte, weil es für jede Bewegung zuständig ist, während Pitta und Kapha – so eine Redensart im Ayurveda – „keine Beine haben“.

Die Eigenschaften von Vata sind: trocken/trocknend, kühl, leicht, fein, bewegend, klar, locker, einfach und subtil – und Gewebe abbauend.

Die dem Vata-Dosha entsprechende Geschmacksrichtungen sind bitter, herb und zusammenziehend, können aber – im Übermaß vorhanden – Vata stören (d.h. steigern). Beruhigt werden kann es durch Süßes, Saures oder Salziges.

Als Funktionssystem für Transport und Bewegung ist Vata für Atmung, Kreislauf, Herzschlag, Nervenaktivitäten, ebenso auch für Denken, Wahrnehmen und alles Handeln zuständig.

Störungen /Irritationen von Vata zeigen sich z.B. im Herz-rhythmus, in Bluthochdruck, Bewegungsproblemen, Sprech-störungen, Unruhe aller Art – auch zu großem Bewegungsdrang, in Schwäche, unklarem Denken oder der Unfähigkeit dazu und dem übermäßigen Verlangen nach Heißem und Süßem.

Pitta

Bei Pitta ist das Prinzip „Feuer“ vorherrschend. Dieses Funktionssystem betrifft alles, was mit Umwandlung und Vitalität zu tun hat.

Seine Qualitäten sind: heiß, Wärme erzeugend, ölig, stechend, durchdringend, schnell, flüssig, sauer und scharf.
Zu viel Saures, Scharfes und auch Salziges kann Pitta irritieren, während Bitteres, Süßes und Astringentes beruhigend wirkt.

Pitta regelt das Empfinden von Hunger und Durst, die Verdauung von Nahrung und die Körpertemperatur. Auch die Verarbeitung von Eindrücken, klares Denken, Entscheiden und Beurteilen wird durch Pitta reguliert, ebenso auch das Empfinden von Ärger und Furcht.

Kapha

Kapha betrifft alles, was mit Substanz, Formgebung und Stabilität zu tun hat.
Die Qualitäten sind: kalt/kühlend, schwer, weich, langsam, ölig, geschmeidig, stabilisierend und beruhigend.
Süß, sauer und salzig sind die Kapha vermehrende Geschmacksrichtungen, während Scharfes, Bitteres und Astringentes Kapha beruhigen bzw. vermindern.

Aufbau, Wachstum, Formgebung und Zusammenhalt, ebenso Festigkeit und Ausdauer, Kraft und Stabilität sind Kapha-Funktionen. Auch Lebensfreude, und Immunkraft, Gedächtnis und die Fähigkeit zur Fortpflanzung hängen von einem intakten Kapha ab.

Irritiert werden kann Kapha-Dosha durch zu viel Schlaf, zu viel Unruhe und Bewegung, zu viel Tempo in allem, auch durch zu viel Salziges und Süßes.